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Lautsprecherreparatur Drucken

Wo gehobelt wird fallen Späne und wo, oft laute, Musik gespielt wird gehen auch mal Lautsprecher kaputt.
Seit den Anfängen meiner Technikerlaufbahn repariere ich Lautsprecher. Das entstand Anfangs aus der Not sich keine neuen und teuren Speaker leisten zu können und wurde später eine Weile zum Fixbestandteil meiner Arbeit. Derzeit repariere ich für den Eigenbedarf und exklusiv für Sinnl & Hanten.
Die auftretenden Schäden reichen da von losen Kontakten, zerissenen Membranen, offenen Klebestellen, zerfallenen Sicken bis zu unterbrochenen oder durchgebrannten Spulen.
Weil immer wieder gefragt wird, ob und wie man so teure Teile wieder in Stand setzen kann folgt an dieser Stelle nun ein kleines Speaker Repair Tutorial.

Reconing:
Die wohl häufigste Reparatur bei professionellen Lautsprechern ist das Reconing.
Damit ist der Austausch der gesamten beweglichen Einheit eines Speakers gemeint.
Diese Arbeit ist recht aufwändig und erfordert neben einigen Werkzeugen und speziellen Klebstoffen auch eine Portion Geduld und Geschick.
Auf jeden Fall müssen alle Arbeitsschritte sehr sorgfältig und genau ausgeführt werden. Als Belohnung gibt es dann auch einen Speaker der praktisch wieder neuwertig ist.
Wenn also der Lautsprecher nicht mehr spielt, deutliche Reibgeräusche verursacht oder
auf andere Weise zerstört ist, bleibt als Rettungsmaßname nur das Reconen.

 

 


Schritt 1:
Das sorgfältige Entfernen des alten Innenlebens ist zwar die unangenehmste aber auch fast wichtigste Arbeit am Anfang der Reparatur. Dazu schneidet man am besten mit einem Stanleymesser die Membrane an zwei Stellen kreisförmig aus dem Metallchassis. Einmal ganz knapp um die Staubschutzkappe (Kalotte) in der Mitte und noch mal knapp am Innenrand des Korbes durch die elastische Aufhängung (Sicke). Danach kann die untere Zentrierung (Spinne), ebenfalls mit dem Stanley, eingeschnitten und samt der alten Spule herausgehoben werden. Ganz wichtig ist es nun den Luftspalt, in dem sich die Spule bewegt, sofort mit Klebeband abzudecken! Nun müssen der Pappdichtring und die Reste von Sicke und Spinne entfernt werden. Auch hier eignet sich das Stanleymesser und eventuell ein scharfes Stemmeisen. Auch die Reste der zähen Industriekleber müssen bis zum blanken Metall entfernt werden. Achtung! Die Verletzungsgefahr ist dabei nicht zu unterschätzen weil die scharfen Werkzeuge mit erheblichem Kraftaufwand benutzt werden müssen. Wer den Umgang mit derartigen Dingen nicht gewohnt ist, sollte vielleicht doch besser die Finger davon lassen. Ein neuer Speaker ist dann allemal billiger als etwa eine durchtrennte Fingersehne.

Schritt 2:
Die Endreinigung des Chassis bzw. Metallkorbes ist Teil 2 der Sache. Ein Druckluftkompressor und etwas Klebeband sind hierbei sehr hilfreich. Zuerst werden alle sichtbaren Reste vom Papier oder den Klebern mit dem Staubsauger entfernt und dann kommt die Druckluft zum Einsatz. Mit der Ausblaspistole wird der ganze Korb abgeblasen (möglichst hoher Druck!). Wer keine Druckluft hat muss wohl tief Luftholen und kräftig Pusten. Danach wird das Klebeband auf dem Magnetspalt entfernt und auch hier mit Druckluft ordentlich ausgeblasen. Achtung! Es Kann gut sein, dass z.B. Klebersplitter oder Metallspäne mit hoher Geschwindigkeit herausgeblasen werden und erfahrungsgemäß landen die dann immer ganz gern im Auge. Das passiert besonders leicht wenn man mit selbst pustet. Das zuvor erwähnte Klebeband (ich nehme am liebsten Malerabdeckband) wird nun verkehrt zu einer kleinen Rolle verklebt (die Klebeseite außen), an einer Seite etwas zusammengedrückt und damit der Magnetspalt gereinigt. Das Röllchen wird durch den ganzen Spalt gezogen um alle Verunreinigungen heraus zu bekommen. Dieser Vorgang muss oft mehrmals, mit immer neuem Klebeband, wiederholt werden bis aller Schmutz entfernt ist. Jetzt ist besonders auf allfällige Metallspäne zu achten weil die sich natürlich durch die starke Anziehungskraft des Magneten hartnäckig in dem Spalt halten. Das kann Fallweise zu einer langwierigen Fummelei ausarten.
Wenn man endlich ganz sicher ist, dass keine Fremdkörper mehr im Magnetspalt und dem Bereich ist der dann wieder von der Spinne abgeschlossen wird, kommt das eigentliche Reconen.

Die Ersatzteile
Das „Reconekit“ besteht je nach Hersteller aus 2 bis 5 Teilen.
JBL z.B. liefert die Kits fertig zusammengefügt zu einer Einheit aus Membrane, Spinne und Spule. Dabei ist dann noch ein Zentrierkörper die Kalotte und sogar der Kleber.
Bei Electrovoice kommen alle Einzelteile extra. Kleber und Zentrierkörper müssen selbst besorgt werden. Im zweiten Fall liegt der Vorteil im geringeren Preis aber man hat doch erheblich mehr Arbeit. Ich beschreibe hier die aufwändigere Variante und auch die Fotos zeigen die einzelnen Schritte anhand von EV Lautsprechern.

Vorbereiten
Das Zentrieren der Spule im Magnetspalt muss unbedingt sehr genau gemacht werden weil sonst am Ende die Spule am Polkern oder der Polplatte reibt. Der Speaker würde dann nicht nur Reibgeräusche machen sondern auch sehr schnell wieder ganz kaputt werden.
Als Zentrierkörper verwende ich in dem Fall eine Polyesterfolie und transparentes Zeichenpapier. Auf jeden Fall sollten der oder die Zentrierkörper so gemacht werden, dass sich die Spule auf dem Polkern nur noch mit deutlichem Widerstand verschieben lässt.
Die Größe ist dabei so zu wählen, dass die Länge des Streifens um ca. 1mm kürzer ist als der Innenumfang der Spule. Die Breite sollte ca. 2 cm mehr als die Spulenhöhe ausmachen.
Jetzt sollte man aber unbedingt die Spule auf perfekte Kreisform überprüfen! Diese ist als Einzelteil sehr empfindlich und leider wird beim Transport immer wieder Mal aus dem Kreis ein Ei. Ich nehme die Spule also von ihrem Pappring und halte sie mit beiden Händen, ganz vorsichtig zwischen Daumen und Mittelfinger. Wie gesagt, ganz vorsichtig! Ich führe die Spule in den Magnetspalt und bewege sie langsam, horizontal in alle Richtungen. Wenn das perfekt geht, also rundherum der gleiche Spielraum ist, passt die Sache und man kann weitermachen. Wenn nicht dann viel Spaß beim Rundmachen. Mit viel Gefühl lässt sich das aber durchaus „hinbiegen.“ Hat die Spule aber einen Knick, dann ist es gelaufen und man bringt das ganze Reconekit am besten gleich zum Händler zurück.

Schritt 3: Verkleben von Spinne und Spule
Jetzt kommt der Zentrierkörper endgültig in den Spalt und zwar bis er unten ansteht. Die Spule wird dann vorsichtig darüber geschoben und in der Regel soweit nach unten gebracht bis das die gesamte Drahtwicklung gerade im Spalt verschwindet und deren oberes Ende in einer Ebene mit der Polplatte liegt. Achtung! Das kann je nach Lautsprecherype etwas variieren. Im Zweifelsfall sollte man sich die alte Spule genau ansehen und den Abstand vom oberen Rand bis zur Spinne ausmessen und anzeichen. Jetzt kommt die Spinne darüber bis sie rundherum plan an ihrer Klebefläche aufliegt. Achtung dabei die Spule nicht mehr verschieben! Mit einem Streifen Klebeband kann man den obersten Rand des Spulenkörpers an Überstand des Zentrierkörpers fixieren. Jetzt mischt man sich zwei Tropfen Zweikomponentenkleber mit einem kleinen Holzspieß oder Zahnstocher und streicht diese Mischung sparsam und genau entlang der Stelle wo der obere Rand der Spinne die Spule umgibt verstreichen. Achtung nicht zuviel sonst geht später die Membrane nicht über den Wulst. Ich nehme dazu eine Epoxymischung die schnell aushärtet. Gut geeignet wäre z.B. UHU - Plus Schnellfest. Wenn der Kleber aufgebracht ist drehe ich die Spinne ein wenig hin und her damit sich der Kleber in dem Zwischenraum von Spule und Spinne gut verteilt. Auch wärme ich das Gemisch mit einem Föhn etwas an was dazu führt, dass es kurz dünnflüssiger wird und danach schneller und fester aushärtet. Das nennt man „tempern.“ All das muss aber schnell gehen weil der Kleber auch schnell abbindet.
Nach eine kurzen Trockenpause wird die Spule samt Spinne wieder vorsichtig von der Polplatte abgezogen. Am besten fasst man dazu die Spinne an den Außenrändern und zieht sie unter leichten Drehbewegungen nach oben. Der Zentrierkörper bleibt im Spalt.
Jetzt kommt Kleber Nummer 2. Die Industriekleber sind schwer in Kleinmengen zu bekommen aber es geht auch mit Kontaktkleber à la Pattex. Wie die Anleitung empfiehlt sollte beidseitig aufgetragen werden. Wenn der Kleber grifftrocken ist kann die Spule wieder auf den Polkern geschoben werden. Vorsichtig und gleichmäßig nach unten schieben und den Kleberand der Spinne fest auf den Flansch drücken. Dazu kann man auch z.B. ein Plastikfeuerzeug nehmen und einige Male unter festem Druck im Kreis fahren. Kontaktkleber erreichen ihre größte Haftkraft durch einmaliges festes Zusammenpressen der Klebestellen. Somit wäre der erste Streich erledigt.

Schritt 4: Konus aufsetzen
Die Membrane (oder der Konus) besteht aus formgepresster Pappe und ist ebenfalls als Einzelteil recht empfindlich. Wenn das Teil schlecht verpackt war wird es wohl auch eher als Ellipse daherkommen und ist dann unbrauchbar. Vor dem nächsten Schritt unbedingt erstmal Trockenkleben! Das heißt man probiert ob das Loch in der Membrane gut und genau über den oberen Spulenrand geht. Wenn das nicht der Fall ist und dieses Loch ein bisschen zu eng ausgefallen ist kann man, wieder mit viel Gefühl, den Lochrand mit dem Daumennagel ein wenig nach Außen reiben. Jetzt werden wieder beide Klebeflächen (Sickenunterseite und Korbrand) mit Kontaktkleber eingestrichen und sollten auch wieder antrocknen. Als nächstes kommt es darauf an zu verhindern, dass sich die Klebestellen irgendwo verbinden bevor die Membrane korrekt zentriert über dem Spulenrand sitzt. Dazu macht man sich am besten eine ganze Menge Papierschnitzel ca. 4 x 4 cm. Diese werden dann ganz zart rundherum auf die Klebestelle am oberen Korbrand gedrückt. Keine Angst, wenn der Kontaktkleber gut angetrocknet ist hält das nur ganz leicht weil ja kein Kleber auf dem Papier ist. Jetzt kann die Membrane, mit dem ebenfalls trockenen Kleber, über die Spule geschoben werden. Achtung nicht vergessen die Anschlussleitungen vorher durch das Loch führen! Wenn die Membrane perfekt sitzt kann man die Sicke an den Korbrand kleben. Dazu zieht man zuerst an zwei gegenüber liegenden Stellen die Papierschnitzel raus und drückt kurz die Sicke an den Rand. Dann das Selbe um 90 Grad versetzt. Die Membrane ist jetzt an vier Stellen fixiert und kann nicht mehr verrutschen. Jetzt können alle Schnitzel raus und dann wird mit den Fingern rundherum ordentlich angedrückt.

Schritt 5: Membrane und Spule verkleben
Die Einheit Spule/Spinne und die Membrane müssen jetzt noch kraftschlüssig miteinander verbunden werden. Zuerst sollten aber noch die Anschlüsse durch die Membrane geführt werden. Dazu wird, in diesem Fall an einer Stelle ca. 3 cm vom Spulenrand, ein kleines Loch in die Membrane gestochen. Durch dieses kommt die Anschlussleitung nach außen. Die Verbindungsstelle von der flexiblen Leitung zur Spulenwicklung (bei EV ist das ein Berylliumkupferstreifen) wird nach unten in den Spalt zwischen Spulenkörper und der Membrane geschoben. Jetzt sollte eine größere Menge Zweikomponentenkleber gemischt werden weil der Spalt bis fast zum oberen Spulenrand damit gefüllt werden muss. Das sollte mit aller Vorsicht geschehen weil der Kleber, wenn er über den Spulenrand fließt, sofort zwischen Spulenkörper und Zentrierkörper fließt. Im schlimmsten Fall fließt er bis runter zum Magnetspalt und dann ist der Speaker hinüber. Ich föhne das Gemisch auch diesmal wieder warm damit es gut fließt und dann möglichst fest wird. Das und die größere Menge Kleber muss sein damit sich ein steifer Klebstoffring ausbildet der die Spule auch bei kräftigen Schwingungen Rund hält. Wenn der restliche Kleber ein wenig zu gelieren beginnt muss man noch die Zuleitungen bis zu den kleinen Durchtrittslöchern gut mit der Membrane verkleben weil die sich sonst später bewegen können. Bevor der Kleber aushärtet sollte man noch dafür sorgen, dass die Membrane gut auf der Spinne aufsitzt. Eine Rolle Gaffaband ist da als Gewicht ganz gut geeignet. Im Großen und Ganzen ist die Sache damit geschafft.

Schritt 6: Zentrierung entfernen und testen
Wenn der Kleber fest ist werden noch die Anschlüsse verlötet und dann kann der Speaker erstmals zum Tönen gebracht werden. Dabei sollte man darauf achten, dass die Zuleitungen lange genug bleiben um bei größter Auslenkung der Membrane gerade noch nicht gespannt zu werden und auch, dass sie nirgends an der Membrane oder Spinne ankommen weil das sonst wiederum Nebengeräusche verursacht. Ideal zum Testen ist ein Sinusgenerator der an einer kleinen Endstufe hängt. Mit niedriger Frequenz (20 bis 50 Hz) gibt man, bei mäßiger Leistung, das Signal an den Speaker. Gleichzeitig zieht man vorsichtig den Zentrierkörper nach oben aus dem Spalt. Das Schwingen der Spule hilft dabei das ganze leicht und ohne einseitiges Verziehen zu erledigen. Sobald die Spule frei ist kann man dann, durch wechselnde Frequenz und variieren der Leistung, testen ob alles reibungslos und sauber läuft. Wer keinen Generator hat kann auch irgendein Musiksignal (möglichst basslastig) nehmen aber ideal ist das nicht. Wenn also bis hierher nichts schief gelaufen ist hat man einen perfekt reconten Speaker. Jetzt muss nur noch die Kalotte sauber in die Mitte über der Spule geklebt werden und der Dichtring aus Pappe auf den Rand. Die Kalotte klebt man am besten mit dem Zweikomponentenkleber oder z.B. Latexleim auf. Die Kalotte sollte dann auch noch ein wenig beschwert werden bis der Kleber fest ist. Der Pappring auf dem die Spule war und ein paar Dekagramm Gewicht sind ideal dafür. Bei manchen Kits ist das Sickengewebe noch nicht dicht imprägniert. In dem Fall muss das noch getan werden. Ich nehme da Latexleim der immer etwas elastisch bleibt aber es geht auch mit dünnerem Silikon, was allerdings etwas mühsam ist weil es schwer zu streichen ist und sofort eine Haut bildet. Der Leim wird einfach aufgepinselt und trocknet dann klar auf. Man sollte dem Speaker nun noch einen Tag Ruhe (zur Genesung sozusagen) gönnen bis er dann wieder voll zum Einsatz kommen kann.

Ich weise noch mal darauf hin, dass eine solche Reparatur nicht ganz einfach ist und jeder der das zum ersten Mal macht riskiert im schlimmsten Fall das Reconekit.
Bis zum nächsten Tutorial ( nehme ich mir ganz fest vor!) wünsche ich den Beherzten die es versuchen viel Erfolg und allen angenehme Töne.

Richard „Ritchie! Gross

 
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